Jun 16
dhabermann

Sikkim

So klein und doch so groß hoch. Kanchendzonga, dritt höchster Berg der Welt (8.586m), ist nur einer der vielen Gipfel, die Sikkim krönen. Zwischen Nepal und Bhutan liegt dieses wunderbare Land. Noch nicht vom Tourismus überlaufen, sondern ursprünglich und einzigartig. Vielfältige Natur und abwechslungsreiche Landschaften, die geschützt und gepflegt werden.

Wir kommen von Darjeeling und überqueren nach einigen Autostunden die Brücke nach Sikkim. Das Land gehört zwar zu Indien, aber es wird eine eigene Einreiseerlaubnis benötigt. Diese haben wir bereits im Vorfeld zusammen mit unserem Indien Visum beantragt und gilt 14 Tage. Da ich länger im Land bleibe, werde ich einige Tage später mein Visum in Gangtok ohne Probleme verlängern. In einem kleinen Büro empfängt uns ein netter Grenzbeamter. Gemächlich trägt er bei der Passkontrolle alle Namen und Daten handschriflich in ein dickes Buch ein. Wie das bei der Ausreise über einen anderen Grenzübergang ermittelt wird, weiß ich nicht. Aber muss ich auch nicht.

Schnell nach der Grenze sind jedenfalls die Unterschiede zwischen Indien und Sikkim zu spüren. Die Häuser sind weit gepflegter, bunter, schöner. In vielen Gesichtern sehen wir bereits nepalesische oder chinesische Einflüsse. Die Straßen sind nicht so voll und die Autos nicht so verbeult. Hupen gehört aber weiterhin dazu und dient zum Grüßen und Warnen.

Grenze Sikkim Grenze Sikkim Grenze Sikkim Grenze Sikkim

Gangtok

ist modern. Im Herzen liegt die Fußgängerzone mit richtigen Läden, Cafés, Bars, etc. Wir fühlen uns irgendwie … fremd. Auf einmal sehen wir wieder modisch gekleidete Menschen, alles ist sauber, vieles wirkt westlich. Und mittendrin immer wieder Mönche, ob in Gruppen oder mit Kopfhörern beim Shopping, für uns ein surreales Bild. Wir trinken Kaffee auf einer Rooftop Bar, schlendern durch die Gassen und schweben mit der Gondel über den Dächern. Wahnsinn, wie eine solche Stadt mitten im Gebirge erbaut werden konnte. In einem netten Homestay verbringen wir zwei Nächte.

Gangtok

Gangtok Gangtok Gangtok Gangtok Gangtok Gangtok Gangtok Gangtok   Das Oberoi :-) Gangtok Gangtok

 

Anschließend fahren wir weiter zum naheliegenden Kloster Rumtek, wo wir mit Mönchen sprechen und Münzen auf heilige Säulen werfen. Von dort geht es über kurvige Straßen, Berge, Täler, Flüsse, Staudämme und weiteren unzähligen Kurven hoch in die Berge, wo Sajits Familie wohnt und wir ganz in der Nähe in einem Homestay übernachten. Hier sieht das Leben wieder ganz anders aus. Alles ist ursprünglich. Man lebt von dem, was angebaut wird. Zweimal am Tag kommt ein Bus, der die Menschen mit der nächsten Stadt verbindet. Am Abend lädt uns Sajit zu sich nach Hause ein. Wir essen, trinken Bier und spielen mit den Einheimischen in einem kleinen Raum Billard.

 

 Kloster Rumtek Kloster Rumtek Kloster RumtekKloster Rumtek Kloster Rumtek   Berge und Täler Die Hausziege Homestay Landfrau

 

Am Tag darauf fahren wir ins weit entfernte Yuksom. Naja, so weit ist es eigentlich gar nicht, rund 120 km. Die Fahrt dauert aber ca. 6h. Berge, Täler, Flüsse, Staudämme und wieder Berge eben. Ach, und Teeplantagen. Tee, soweit das Auge reicht. Hoch in den Bergen, umhüllt von Wolken, ernten fleißige Frauen die grünen Teeblätter und grüßen uns freundlich, zumindest Marco, Raphael und Sajit. Ich winke durch´s Autofenster. Mir ist schlecht. Richtig schlecht. Und das nach erst 30 Minuten Fahrt… Mein Magen krampft sich zusammen. Es muss das Essen gewesen sein. Oder der Blutegel vom Morgen als wir durch die Teeplantagen spaziert sind – bezweifel ich aber. Jedenfalls nicht der beste Zeitpunkt, um krank zu werden. Kurvige Berglandschaften, schlechten Straßen und so viele Schlaglöcher, dass ich gar nicht angefangen habe zu zählen. Ich reiß mich zusammen, versuche mich auf dem hintersten Platz irgendwie lang zu machen. Bequem zu liegen, zu schlafen. Klappt bei den Kurven nur leider nicht. Höre nur immer, wie elend ich aussehe. Öfters bitte ich den Fahrer anzuhalten, einmal auch etwas länger. Ich versuche die atemberaubende Berglandschaft zu genießen und so viel frische Luft wie möglich einzuatmen. Dann fallen mir die fleißigen Ameisen am Boden auf. Wie viele danach wohl noch leben oder sich sogar freuen werden, mal schauen. Aber so viel Zeit blieb dann doch nicht. War alles zu atemberaubend, im wahrsten Sinne des Wortes. Sikkim erhält ein bisschen Ursprung zurück und mir geht´s wieder etwas besser. Kann sogar schlafen bis wir irgendwann schließlich in Yuksom ankommen. Ein Wunder, dass das Auto nach all diesen Straßen und Löchern überhaupt noch fährt.

TeeplantagenTeeplantagen Teeplantagen TeeplantagenSikkim SikkimSikkim

In Yuksom

gibt es nicht so viel zu tun. Alles ist entspannt. Die meisten Touristen kommen zum Wandern und Trekken her, denn von hier beginnen viele Routen in die Berge. Wir bleiben zwei Nächte und ich erhole mich etwas. Am Tag darauf geht´s zum Glück wieder besser und wir unternehmen einen gemütlichen Ausflug zum Kloster nach Taschiding. Hauptsache keine langen Autofahrten. Das Wetter ist wechselhaft: morgens meist sonnig, ab nachmittags oft Regen und bewölkt. Die Menschen sind wahnsinnig freundlich, stets hilfsbereit und wirken alle vertrauensvoll.

Tashiding Kloster Tashiding Kloster Tashiding KlosterTashiding Kloster Tashiding Kloster Tashiding Kloster Tashiding Kloster Sajit Tashiding Kloster

 

Am nächsten Tag ist es dann so weit. Die Jungs reisen ab und ich beibe für einige Tage alleine in Yuksom und warte auf die Trekkinggruppe. Sajit gibt mir noch ein paar Tipps, was ich in den nächsten Tagen machen könnte. Zum Beispiel nach Gangtok laufen, dort auf die Gruppe stoßen und zusammen fahren wir wieder nach Yuksom. Dauert ca. eine Woche. Den Weg erfrage ich bei den Locals  und ob sie einen Platz zum übernachten hätten. Mach mal. Mach mal. Sagt er immer wieder, ist gutes Training für Trekking.

Ich habs nicht gemacht. Bin dafür aber zu einem anderen schönen Ort gelaufen…

dhabermann
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gelernter Reiseverkehrskaufmann, Weltenbummler und leidenschaftlicher Hobbyfotograf


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